Incubator
2013
Das Video war der Höhepunkt eines langwierigen botanisch-künstlerischen Projekts, in dessen Verlauf ich das Keimen weißer Bohnensamen in einer Reihe von Standbildern dokumentierte. Um das Video zu drehen, baute ich eine geschlossene Box, um konstante Wachstumsbedingungen aufrechtzuerhalten; die Box war mit einem Luftbefeuchter verbunden, der den Feuchtigkeitsgehalt des Samens hielt, und mit einer Beleuchtung, die sich in regelmäßigen Abständen einschaltete. Die Box war mit einer Glasscheibe abgedeckt, und eine digitale Standbildkamera, darüber montiert, machte alle 4 Minuten eine Aufnahme. Eine Elektronikplatine steuerte die Abläufe: Bewässerung – Beleuchtung – Bild; jede Phase des Wachstumsprozesses erforderte eine andere Taktung der Handlungen, um sich der Wachstumsgeschwindigkeit anzupassen. Die erste Phase fand in der Dunkelheit statt: Die Samen wurden auf ein eigens genähtes Kissen gelegt; da Samen unter der Erde keimen, wurden Dunkelheitsbedingungen gewahrt, und das Licht ging nur für eine Sekunde an, damit die Kamera die Vorgänge aufzeichnen konnte. Die Samen trieben Wurzeln in alle Richtungen über die gesamte Fläche des Kissens; nach einer Woche des Wurzelns im Dunkeln schaltete ich das Licht dauerhaft ein, um den Prozess der Fotosynthese in Gang zu setzen, in dessen Verlauf der Samen lange Stängel und Blätter ausbildete, die sich höher zur Kamera reckten, und nach einer weiteren Woche wurde die Box geöffnet und das Wasser abgestellt. Das Ergebnis ist ein herzzerreißender vollständiger Lebenszyklus: Die Samen wirken beinahe wie lebende Wesen mit dem Wunsch und der Fähigkeit, sich zu bewegen, und verwandeln sich von weißen Spinnen in zarte Schwäne, die in den Tod fliegen. Der Film wurde aus einer Folge einzelner, in regelmäßigen Abständen aufgenommener Bilder geschnitten, einer Technik namens Zeitraffer. Das Video wurde erstmals im Rahmen meiner Einzelausstellung 2013 gezeigt („Seedbed“, Galerie P8, kuratiert von Naomi Aviv) und war seither Teil mehrerer Gruppenausstellungen. Kürzlich wurde es im Rahmen des Festivals Art Souterrain in der Galerie Joyce Yahouda in Montreal projiziert (Februar 2015).













